Neues Schulbaukonzept für US-Streitkräfte in Rheinland-Pfalz

Schulen des 21. Jahrhundert

Das neue pädagogische Konzept der USA will Kinder und Jugendliche besser auf eine technologie- und medienbestimmte, sich rasch verändernde Zukunft mit globalen Problemstellungen vorbereiten. Das Konzept „21st Century Schools“ ist neu, so dass dafür auch neue Schulgebäude benötigt werden bzw. bestehende angepasst werden müssen, rund 40 in Deutschland. In Rheinland-Pfalz planen die US-Streitkräfte derzeit neun Schulen nach diesem Konzept und ein Verwaltungsgebäude.

Von der Elementary School über die Middle School bis zur High School werden diese Schulen in den nächsten acht Jahren nach und nach in Angriff genommen. Das Bauvolumen beläuft sich auf rund 630 Mio. US-Dollar. Die Schulen befinden sich an unterschiedlichen Standorten. Sie sind teilweise als Neubauten, teilweise als Umbauten geplant. Derzeit sind  vier Schulen an den Standorten Kaiserslautern-Vogelweh und Spangdahlem schon in der Planung – bis 2020 soll das Gesamtprogramm abgeschlossen sein. Der Schwerpunkt der Maßnahmen wird in der Region Kaiserlautern/Ramstein liegen. Die Objektplanung soll ausschließlich durch Freischaffende bearbeitet werden. Das Projektmanagement liegt in der Hand des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB). Obgleich die Maßnahmen von der US-Seite einzeln beauftragt und zu unterschiedlichen Zeiten realisiert werden sollen, steuert sie beim Landesbetrieb LBB eine niederlassungsübergreifende Projektorganisation, welche die Projektteams aus drei LBB-Niederlassungen koordiniert. Seitens der OFD Abteilung Bundesbau in Mainz sind zwei Mitarbeiterinnen mit dem Gesamtprojekt betraut.  Auf LBB-Seite sind in der Hochphase des Gesamtprojektes rund 50 Personen damit befasst.

Lernen im 21. Jahrhundert
Die Erziehung soll in Zukunft flexibel, individuell, anspruchsvoll und komplex sein. Kinder sollen von Anfang an lernen, wie man sich informiert, bewertet und kommuniziert und Probleme löst – und dies eher selbständig und vernetzt als im Frontalunterricht. Sie sollen historische, gesellschaftliche und globale Zusammenhänge verstehen. Elektronische Medien und Internet ersetzen Hefte und Bücher, „Coaches“ die Lehrer. Es soll geforscht statt gepaukt werden, projektbasiert und interdisziplinär gearbeitet werden statt isoliert und fragmentiert. Das Team ersetzt dabei die Klasse, die Lernplattform das Klassenzimmer. In den USA gibt es bereits Beispielschulen dieser Art.

Wie sehen die neuen Schulen aus?
Die neuen didaktischen Ansätze haben Auswirkungen auf die Schulgebäude: Es ist keine Einheitsarchitektur, sondern sie ist situationsangepasst, nachhaltig, mit viel Freiraum, offen und flach (2-geschossig). Die Schule selbst soll Lernobjekt sein: Schaufenster ermöglichen z. B. den Blick ins Innere der Wände. Das Zentrum der Schule bildet ein großes multifunktionales Foyer („Commons“) als Veranstaltungs-, Begegnungs- und Kommunikationszone. Darum gruppieren sich Lernbereiche („Neighborhoods“) als erweiterte Klassenzimmer mit jeweils einer Unterstruktur aus vier unterschiedlich großen Lernbereichen für größere und kleinere Gruppen („Learning Studio“, „Learning Hub“, „Group Learning“/„Virtual Learning“ und „One-to-One“). Um das Foyer angeordnet sind außerdem Einrichtungen wie Studios für Naturwissenschaften, schöne Künste, Technik („Exploratory“) sowie die Serviceeinrichtungen Information, Verwaltung und Mensa („Information Center“, „Administration“, „Building Services“, „Food Service“, „Student Support“). An der Peripherie gibt es einen Bereich für Gesundheit und Fitness. Die Amerikaner wollen dieses Schulbaukonzept in den USA wie auch weltweit an vielen Militärstandorten umsetzen. Ein spannendes, anspruchsvolles und komplexes Großprojekt für die rheinland-pfälzische Bauverwaltung.

Multiprojektmanagement gefordert
Resultierend aus dem amerikanischen Haushaltsrecht und der ABG 75 sind in der Projektabwicklung viele Besonderheiten zu beachten. Die unterschiedlichsten Vorstellungen und Standpunkte müssen zusammengebracht werden: Beispielsweise die der amerikanischen Bauverwaltung und Nutzer, der deutschen Bauverwaltung sowie Planungs- und Ordnungsbehörden oder der freischaffenden deutschen und amerikanischen Planungsbüros. Zur Bewältigung des enormen Abstimmungsbedarfs wurden insgesamt sieben Besprechungskreise definiert und eingerichtet – von der Lenkungsgruppe bis zum Ausführungsteam. Das Projekt wurde von Anfang an als Gesamtprojekt aufgezogen mit den einzelnen Schulen als Unterprojekte. Synergieeffekte sollten entstehen, eine durchgehende Qualität gesichert werden – etwa durch Zusammenfassung zentralisierbarer Aufgaben (z. B. Wettbewerbsverfahren, Projekthandbuch), einheitliche Routinen (z. B. Ingenieurverträge) und gleiche Standards.

Niederlassungsübergreifende Projektorganisation
Projektangepasst wurde eine Linien-Organisation mit zentralen und dezentralen Elementen nach dem Prinzip „global steuern – lokal handeln“ umgesetzt. Für das Dokumenten- und Planmanagement soll ein IT-unterstütztes Projektkommunikationssystem (PKS) eingesetzt werden. Über diese Plattform werden alle Beteiligten kommunizieren.

Zusammenarbeit mit US-Planungsbüros
In dem Schulbauprogramm wurde erstmals auch ein neuer Weg der Zusammenarbeit zwischen deutschen und US-Planungsbüros beschritten. Wegen der Besonderheit des „21st Century“ Schulbauprogrammes wird die Vorplanung von verschiedenen US-Planungsbüros unter Mitwirkung von deutschen Architektur-/Ingenieur-Büros erstellt.

 

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